Standortsicherung durch 
Standortentwicklung
15.12.2009 - Ausgabe 12/2009 - von Mag. Christof Mergl
Am siebten Innovationstag der Tiroler Zukunftsstiftung 2009 zeigte sich erneut, dass Tirol bei Forschung und Entwicklung am Vormarsch ist - trotz krisenbedingter Einsparungen. Nun gilt es, den Schwung mitzunehmen und für Betriebe das geeignete Umfeld zu schaffen, in dem Innovation wachsen kann.
Bis 2020 soll Tirol ein Technologiestandort von internationalem Format sein, so die Ankündigung der Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf im Rahmen des Technologieforums vor wenigen Wochen. Zweifelsohne ein ambitioniertes Ziel. Dass das Land aber auf einem guten Weg zu sein scheint, zeigte sich im Rahmen des bereits siebten Innovationstages der Tiroler Zukunftsstiftung. „Der Innovationsdruck steigt auch für Tirol so hoch wie noch nie. Umso wichtiger, dass unser Innovationstag zu einem echten Jour Fixe im Jahresprogramm avanciert ist - zahlreiche Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik treffen sich zum Austausch und Dialog“, so der Geschäftsführer der Tiroler Zukunftsstiftung Dr. Harald Gohm. Neben Expertenvorträgen, Meinungen aus dem Zukunftstalk ‚tirol tomorrow‘ und einer Ausstellung von 36 Partnern stand auch die Prämierung der besten, innovativen Produkte, Dienstleistungen und Prozesse der Unternehmen aus sieben Tiroler Clustern am Programm (siehe Kasten).

Vereinbarkeit von Beruf und Familie. „Die Wirtschaft verändert sich und wir müssen die Weichen in die richtige Richtung stellen. Für die Betriebe wird das Umfeld immer wichtiger“, meinte Zoller-Frischauf beim Pressegespräch zu Beginn des Innovationstages, der im und rund um das Kristallfoyer im Innsbrucker Congresshaus stattfand. „Wir haben jetzt schon großartige Facharbeiter in den verschiedensten Bereichen und wir müssen das Ausbildungsniveau auf jeden Fall halten“, so die Wirtschaftslandesrätin. Vor allem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegt ihr dabei besonders am Herzen: „Unsere Wirtschaft und Wissenschaft braucht die besten Köpfe, die aber oft Familie haben. Gelingt uns die Vereinbarkeit von Karriere und Familie besser als anderen, wäre das ein klarer, neuer Vorsprung im Standortwettbewerb.“ Tirol habe sich laut Zoller-Frischauf in puncto Zukunftsfähigkeit eine „ausgezeichnete Ausgangsposition“ im europäischen Regionenvergleich erarbeitet - erhoben durch das Berlin Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Platz 38 von 285 bzw. Platz 1 im Österreichvergleich).

Hohe Dynamik. Dr. Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG, zeigte sich erfreut, dass trotz Krise und Einsparungen wieder mehr in Forschung und Entwicklung investiert wird. „Auch auf Bundesebene werden etwa durch das neue Forschungsfinanzierungsgesetz neue Wege beschritten werden“, so Egerth. „In wirtschaftlich schwierigen Zeiten darf man nicht zulassen, dass Unternehmen sich aus der ambitionierten Forschung zurückziehen und ihr Engagement auf die weniger riskante Weiterentwicklung verlagern.“ Ihrer Wahrnehmung nach sind die finanziellen Forschungskapazitäten der Tiroler Unternehmen in den letzten Jahren etwas gestiegen, Egerth deutet dies als klares Zeichen für eine hohe Dynamik im Land. Insgesamt halten die Tiroler Betriebe laut FFG-Förderstatistik im noch laufenden Förderjahr 5,7 Prozent der zugesagten Barwerte, das sind 17 Millionen Euro - 0,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Politik ist gefordert. Dass die Politik in der Kooperation von Wirtschaft und Wissenschaft besonders gefragt ist, postulierte Politologe Dr. Peter Filzmaier vom Institut für Strategieanalysen - abgestimmt auf das Thema seines anschließenden Vortrages „Was die Politik von der Wirtschaft lernen kann und umgekehrt“. Filzmaier: „Tirol ist am Vormarsch. Die Zukunftsorientierung ist da und auch der Mut zur Veränderung. Aber auch die Geschlossenheit der Politik ist wichtig, denn ein Standort kann nur attraktiv und erfolgsversprechend sein, wenn er nicht von Konflikten und Auseinandersetzungen geprägt ist. Hier darf es keine Klüfte geben.“

Erfolgreiches Paradebeispiel. Um symbiotische Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlicher Hand in Tirol zu portraitieren, genügt ein Blick auf Syncraft Engineering, ein Spin-Off-Unternehmen des MCI in Schwaz. Spezialisiert ist man unter anderem auf die Projektierung und Konzeption von Biomassekraftwerken. Die Technologie Craftwerk wandelt feste Biomasse in ein Produktgas, das in modernen Gasmotoren effizient in Strom und Wärme umgewandelt werden kann. Dabei kann deutlich mehr Strom produziert werden als bei herkömmlichen Anlagen. Die Verwertung von Holz – z.B. in Form von Hackschnitzeln – hat man im Griff, die Pilotanlage Craftwerk Alpha siedelt in Kürze nach Schwaz um. In einer neuen Forschungskooperation (K-Regio Powerbox) mit der Verfahrenstechnik am Management Center Innsbruck, mit Thöni Industriebetriebe und den Stadtwerken Schwaz prüft Syncraft seit heuer, ob auch weitere biogene Stoffe wie Gärreste von nachwachsenden Rohstoffen, Strauchschnitt oder Klärschlamm verwertet werden können. In drei Jahren will man sicher sein. „Sind die Ergebnisse positiv, ist der Weg zu einem neuen Tiroler Exportschlager geebnet, der für eine ganze Reihe hochwertiger Arbeitsplätze gut ist“, meinte Marcel Huber, Geschäftsführer von Syncraft. Die Zukunftsstiftung unterstützt daher die Forschungskooperation finanziell aus Mitteln des Landes Tirol.

Der lange Weg zum Markt. Huber schätzt Kooperation auch an anderer Stelle: „Eine Erfindung allein reicht nicht aus.  Für den Weg auf den Markt braucht es Schulterschlüsse, mit der Zukunftsstiftung, der FFG, der Austria Wirtschaftsservice oder dem CAST. Wir haben jede Unterstützung dankbar genützt.“




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