20.08.2009 - Ausgabe 7/2009 - von
Das Potenzial an Wärmepumpen, die sich Energie aus dem Grundwasser holen, ist in Tirol noch lange nicht ausgeschöpft. Ein Beispiel: Der ganze Bezirk Schwaz könnte mit Wärmepumpen beheizt werden. Weil noch nicht klar ist, wo und wie viel genau, wird ein Thermalfrontenplan erstellt.
Klimaziele sind kein Kinderkram, sondern mittlerweile in verbindliche Gesetzesmaterie gegossen. Auch Tirol muss seine Anstrengungen dahingehend verstärken, die EU-Formel „20-20-20“ zu schaffen. Das heißt, 20 Prozent weniger klimaschädliches CO2 bis 2020, dazu noch 20 Prozent mehr an Energieeffizienz. Auch soll der Anteil an Öko-Energien auf 20 Prozent gesteigert werden, in Österreich, aufgrund der unterschiedlichen Lastenverteilung, sogar um 34 Prozent. Sanierungsförderoffensiven, Heizungstauschaktionen plus eine spezielle Wärmepumpenförderung der Landesenergiegesellschaft Tiwag weisen bereits die richtige Richtung.
Momentan sitzt das Land bei seinen Hausaufgaben: Tirol forciert einen Push bei Öko-Energien. Aktuell werden landesweit die Daten zur Aktualisierung des bestehenden Grundwasser-Katasters zusammengetragen. Neu dazu kommt ein Thermalfrontenplan für Grundwassernutzungen - etwa durch Heizen und Kühlen. Damit beauftragt die Ist-Situation zu erheben, wurden Tiwag und IKB-Tochter Wasser Tirol. Derzeit nutzen Firmen, Gemeinden und Private den unterirdischen Wasserschatz.
Das Problem dabei: Noch herrscht ein alarmierender Wildwuchs bei Planung und Bau von Wärmepumpen. „Wenn das Grundwasser aber als nachhaltige Ressource genutzt werden soll, braucht es eine taugliche Entscheidungsgrundlage für die Behörden“, weiß auch Energie-Landesrat LHStv. Anton Steixner.
Stiefkind Wärmepumpe. Nicht nur Wärmepumpen, auch Kühlanlagen, nutzen bislang das heimische Grundwasser. Der Thermalfrontenplan listet schlussendlich auf, in welcher Tiefe es welches Grundwasser bei welcher Temperatur gibt und welche Qualität es hat. Laut Ernst Fleischhacker, Geschäftsführer der Wasser Tirol, werde der Plan in einem Jahr fertig sein. Damit wäre auch eine taugliche Grundlage für eine sinnvolle, intensive Nutzung gelegt. Zumal jede Anlage bislang einem wasserrechtlichen Verfahren unterzogen werden muss.
Auch bei der Tiwag weiß man: „Bei Wärmepumpen gibt es ein „riesiges Aufholpotenzial.“ Österreichweit wurden 2008 insgesamt etwa 12.000 Wärmepumpen installiert. Vorzugsschüler sind hier Oberösterreich und Vorarlberg (mit circa 50 Prozent Anteil bei Neubauten). Gespeist werden diese nicht nur aus Grundwasser, sondern auch aus Erd- oder Luftwärme. Hierzulande werde die Wärmepumpe jedoch „stiefmütterlich behandelt“, kritisiert Wolfgang Rauch, Umwelttechnik-Professor an der Uni Innsbruck. Nur rund 600 Pumpen sind im Vorjahr in Tirol neu dazu gekommen, für 250 hat die Tiwag eine Wärmepumpenförderungen in der Höhe von bis zu 3.000 Euro ausgeschüttet. „Wenn wir bei Heizbedarf von Öl und Gas auf die Wärmepumpe umstellen, dann ist das nachhaltig und energiewirtschaftlich sinnvoll“, so Rauch.
Mercedes unter den Energieformen. „Die Wärmepumpe ist in Kombination mit heimischer Wasserkraft eine Stromveredelungsmaschine“, meint Wasser Tirol-Chef Fleischhacker. Wer eine Kilowattstunde Strom investiere, bekomme vier Kilowattstunden Wärme heraus. Die exakte Funktionsformel dafür lautet: 75 Prozent Sonnenwärme plus 25 Prozent elektrische Antriebsenergie ergibt 100 Prozent Heizwärme. Die Wärmepumpe folgt einem umgedrehten Kühlschrank-Prinzip: Selbst kleine Temperaturunterschiede von mindestens zehn Grad Celsius macht sich das System zunutze. In einem Kältemittel wird die Wärme zwischengespeichert durch einen Kondensator, an dem Flüssigkeit verdampft, zum Heizen aufbereitet. Voraussetzung für den sinnvollen Einsatz einer Wärmepumpe ist freilich ein wärmegedämmtes, energiesparendes Haus.
In einem gut isolierten, 150 Quadratmeter großen Einfamilienhaus lassen sich dadurch durchschnittlich 950 Liter Heizöl einsparen. Dies entlastet den CO2-Rucksack ganz entscheidend: 2.660 Kilogramm CO2 gelangen in die Atmosphäre. In Tirol gibt es ewa 130.000 Wohngebäude. Die Hälfte wird mit Öl beheizt. „Daraus ergibt sich ein enormes Einsparpotenzial“, so Schneitter. Damit schlägt die Wärmepumpe gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe: den CO2-Ausstoss zu mindern, die Importabhängigkeit von fossilen Energieträgern zu reduzieren, die Energieeffizienz zu steigern. Aber auch die Nutzung heimischer Ressourcen und Stärkung der Regionalwirtschaft, ergänzt Schneitter.
170 Millionen Kilowattstunden, schätzt Fleischhacker, könnten theoretisch aus der Grundwasserwärme geschöpft werden. Ideal wäre eine ganzjährige Nutzung der Wärmepumpen, eben zum Heizen wie zum Kühlen.
Ressourcenreiches Inntal. Bislang hat Schwaz die Nase vorn – denn dort liegt der Kataster bereits auf. Penibel wurden im ganzen Bezirk die technischen Daten aller Brunnen und Grundwasser- und Bodensonden erfasst: Von insgesamt 950 Eintragungen entfallen 262 auf Entnahmebrunnen, zudem gibt es 174 Aufschlussbohrungen und 407 Sonden. Allein 227 dieser Sonden entfallen auf die BEG, da im Zuge des Eisenbahnbaus in der letzten Zeit eine intensive „Beweissicherung“ nötig war.
Zudem spiegelt der Bezirks-Kataster auch den Ressourcenreichtum wieder: 2.650 Liter pro Sekunde könnten den Bedarf von 1,5 Millionen Einwohnern decken. Zum Vergleich: Der Bezirk Schwaz hat circa 80.000 Einwohner. Nicht von ungefähr vermuten Experten also in der Nutzung von Umweltwärme ein beträchtliches Potenzial. Sobald dieses auch nur annähernd ausgeschöpft wird, steht einer kleinen „Energierevolution“ in der Inntalfurche nichts mehr entgegen.