Designerland Tirol
15.12.2009 - Ausgabe 12/2009 - von Mag. Manuela Fritz
Design ist individuell und kreativ, Design ist ästhetisch und funktionell, Design ist Wirtschaftlichkeit, Design ist Tirol. Ganz genau, Tirol. Das Potential ist da, einzig das Bewusstsein für heimisches Design muss geschürt werden. Dieser Aufgabe hat sich nun die Initiative „Design in Tirol“ verschrieben. Der erste Schritt wurde auf der Innsbrucker Herbstmesse gemacht – Wiederholung garantiert.
Gelassen durch die Hallen schlendern, gezielt Produkte unter die Lupe nehmen und sich die Vorzüge in aller Ruhe erklären lassen, oder doch lieber nach dem Neuen, dem Innovativen, dem Kreativen suchen? Messen, ihres Zeichens Plattformen, die Raum geben um Marktneuheiten zu präsentieren, Unternehmen vorzustellen, vereint unter einem Dach innovativen Ideen, Produkte und Projekte unter das Volk zu streuen, zeigen auf einen Blick das Know-how und Potential einer Region und ihrer Nachbarn. Und genau dieser Rahmen, konkret die diesjährige Innsbrucker Herbstmesse, erschien dem neu gegründeten Verein, besser der Initative „Design in Tirol“ als das ideale Umfeld, sich erstmals der breiten Öffentlichkeit zu präsentieren – die Zahl an interessierten, staunenden und begeisterten Messebesuchern gab den Organisatoren der Sonderschau „Design in Tirol“ recht.

Vernetzung und kreatives Miteinander. Doch erstmal, wer und was steckt hinter der Bezeichnung „Design in Tirol“? Das „Wer“ sind allem voran sechs kreative Köpfe: Helmut Schreder, Tischlermeister und Designer „Hand aufs Holz“, Horst Philipp, Designer „Pudelskern“, DI Wolfram Allinger, Projektmanager „Holzcluster Tirol“, Designer Georg Juen, Birgit Kopp, Blickfang, und Heinz Thielmann, Wintergärten, Trennwände und Wohnideen Thielmann.
Mit der Intention, den gestaltenden Kreativen in Tirol den Rücken zu stärken, wurde im Herbst 2006 begonnen, an der Plattform „Design in Tirol“ zu arbeiten. Als ersten Schritt begründeten sie die „Designgespräche“, bei welchen sich an jedem letzten Dienstag im Monat „Gestalter“ aus allen möglichen Bereichen, von Möbeln über Textilien bis hin zu Keramik, mit Vertretern aus Wirtschaft und Handel zum gegenseitigen Kennenlernen und Erfahrungsaustausch trafen und nach wie vor treffen.
Dieser ersten Design-Initiative lag zugrunde, dass es in Tirol ein großes kreatives Potential gibt, dem Thema „Design und Handwerk“ jedoch die Identität fehlt. „Sieht man sich in Tirol um, findet man wahre Kapazunder“, schwärmt Vereins­obmann Helmut Schreder und nennt als Beispiel Gerhard Fuchs aus Kauns, der mit seinen Silhouette und Adidas Brillen Geschichte in Sachen Design und Funktionalität geschrieben hat. Die Gefahr allerdings, dass kreative Köpfe aufgrund fehlender Rahmenbedingungen und mangelnden Bewusstseins aus Tirol abwandern, ist groß, weshalb mit einer gemeinsamen Plattform Ideen und Initiativen zusammengeführt, Projekte generiert und Netzwerke angeboten werden sollen.
Aus diesen „Designgesprächen“ ging das „Was“ hervor, die Initative „Design in Tirol“. „Hinter der Initiative steckt das Ziel, die kreativen Köpfe Tirols zusammenzubringen sowie die Unternehmer für den Mehrwert von Design und Ästhetik zu sensibilisieren“, führt Schreder aus. Es soll ein Netzwerk entstehen, das miteinander kommuniziert, das sich gegenseitig fördert, fordert und, „im Idealfall, irgendwann als Qualitäts- und Dachmarke ‚Design in Tirol’ in den Köpfen der Bevölkerung präsent ist“, blickt Vorstandsmitglied Georg Juen in die wünschenswert nahe Zukunft.
Die Initiative, vor eineinhalb Monaten gegründet, zählt derzeit vierzehn Mitglieder und konzentriert sich auf alle möglichen Schaffensbereiche und Materialien, mit denen gearbeitet wird. Lediglich Werbegrafik und Architektur gehören nicht zu den vorrangigen Zielbranchen, diese Bereiche bewegen sich bereits in ihren eigenen Plattformen, wie aut. architektur und tirol oder weis raum – Vernetzung und Kommunikation etwa im Rahmen der Designgespräche finden jedoch auch mit diesen Branchen statt.
Als eine weitere bewusstseinsbildende Maßnahme wurde der Katalog „Designlandschaft Tirol 2009/10“ geschaffen, in welchem Designer, designorientierte Unternehmen sowie Designausbildungen in Tirol, Förderstellen und Cluster vorgestellt werden. Der aktuell vorliegende Katalog bildet jedoch nur eine kleine Auswahl des in Tirol vorhandenen Potentials, im Laufe der kommenden Auflagen soll die Design­landschaft Tirols kontinuierlich erweitert werden. Denn Tatsache ist, Tirol hat Potential: „Man muss nicht immer nach Mailand fahren, um gutes Design zu sehen“, bestärkt Helmut Schreder.

Warum und Weshalb treffen auf Wirtschaftlichkeit. Wo aber liegt in Tirol der viel zitierte Hund begraben, der eine Design-Initiative, konkret ein bewusstseinsförderndes „Auf sich aufmerksam Machen“ erst nötig macht? „Tirol ist sozusagen ein unbeackertes Feld, das ist gut für uns“, erklärt Helmut Schreder. „Die öffentliche Wahrnehmung sieht, kennt und beachtet Tiroler Design nicht entsprechend, weshalb etwa in Möbelhäusern beispielsweise nach italienischem oder skandinavischem Design gefragt wird. Wir aber wollen zeigen, dass es in Tirol Potential gibt, dass es heimische Designer gibt, die in der Topliga mitspielen.“
Die Entwicklung hin zu dieser geringen öffentlichen Wahrnehmung sieht der Designer in der Tourismuslawine, die spätestens Anfang der 50er Jahre massiv über Tirol hereingebrochen ist und gestalterisch „Verwirrung“ ausgelöst hat. So arbeite etwa ein Tischler nicht mehr nach Design und gestalterischen Zuckerln, sondern vielmehr nach Stückzahl. „Tiroler Designer haben sehr viel drauf. Zum einen fehlt ihnen jedoch häufig der Mut, ihre ‚Leidenschaft’, ihre Linie konsequent nach außen zu tragen, zum anderen fehlt es aber auch den Unternehmen an ebendiesem Mut, ausgefallenes, kreatives und innovatives Design anzunehmen“, sieht Schreder die Problematik und fügt hinzu: „Doch gerade Design ist ein wesentlicher Faktor, einen Betrieb in die ‚Moderne’ zu führen“.
Womit wir auch schon bei der Wirtschaftlichkeit sind, die untrennbar mit heimischem Design verbunden ist. Denn Design ist Wirtschaftlichkeit, und dieser Symbiose trauen die Köpfe der Initiative „Design in Tirol“ großes Potential zu: „Mit ‚Design und Produkt’ ließe sich die Wertschöpfung in Tirol erheblich steigern“, ist Georg Juen überzeugt. „’Design in Tirol’ als Marke zu etablieren und in jedem heimischen Möbelgeschäft eine Abteilung mit Tiroler Designstücken wiederzufinden, ist unser Anliegen“, blicken Schreder und Juen gemeinsam in die Zukunft. Design soll sich schließlich mit der Wirtschaft vereinen, nicht zuletzt auch aus dem Standpunkt des Mehrfachnutzens innerhalb einer Region heraus – heimische Designer verwenden nun mal heimische Produkte.





Sind Sie für eine Regulierung des Finanzmarktes durch staatliche Einrichtungen?


 
 


ANZEIGE