Auf Sand gebaut
15.02.2010 - Ausgabe 1/2010 - von Gerhard Weissenberger
Selbstüberschätzung oder Zukunftssignal? Das Burj Dubai, mit 800 Meter das höchste Gebäude der Welt, versinnbildlicht wohl beides. Zu Weihnachten blamierte sich Dubai noch bis auf die Knochen, nur um pünktlich zum Jahreswechsel wieder auf die altbewährten Glitzereffekte zu setzen. Doch bekanntermaßen geht der Krug so lange zum Brunnen, bis er bricht.
Mittelmaß ist ein Begriff, der im Wortschatz der Wüstensöhne nicht vorkommt. Allein schon der Gedanke daran, lässt den Nachfahren Ali Babas die Haare unter ihrer traditionellen Kopfbedeckung, dem Kheffye, zu Berge stehen. Andererseits würde Durchschnitt kaum so viele internationale Großinvestoren an den persischen Golf locken. So ist Dubai mehr als seine Nachbarn auf ein funktionierendes Marketing angewiesen. Und selbst diese, durch Petrodollars gut geschmierte PR-Maschinerie, konnte das Platzen der ehrgeizigen Träume aus 1001 Nacht auch nicht verhindern. Das Emirat ist hoch verschuldet und läuft Gefahr seine Kreditwürdigkeit zu verspielen. Jetzt muss umgedacht und auf eine solide Wirtschaftsentwicklung anstatt auf Glamour und Glitzern gesetzt werden.

Der Turmbau zu Babel. Wer den steilen Aufstieg Dubais mit verfolgt hat, der mag kaum daran glauben, dass das erfolgsverwöhnte Emirat eine Zeitwende erlebt, den Abschied vom goldenen Zeitalter, die Abenddämmerung im Morgenland, ein Armageddon in Atlantis. „Do buy“ – kaufen Sie nur, wurde der Wüstenstaat oft genannt. Nun heißt es für viele „bye, bye Dubai“.
Heinz Schletterer ist Zillertaler. Demzufolge gehört er einem eher nüchtern kalkulierenden Menschenschlag an, dem nachgesagt wird, Geschäfte eher zu machen, denn in den sprichwörtlichen Sand zu setzen. „Die Finanzkrise hat uns recht früh erwischt. Immer mehr Bauvorhaben verschwanden im Laufe des Jahres von den Planungslisten und viele Zulieferer blieben auf ihren Rechnungen sitzen“, schildert der Tiroler die Zustände und zeigt sich über die Entwicklung nicht unbedingt überrascht. „Wer realistisch dachte wusste doch, dass Dubai seine gigantischen Schulden nicht alleine wird abtragen können“, klärt der Wellness-Guru aus Strass auf, dass er rechtzeitig reagieren und sich ohne große Verluste zurückziehen konnte. Aber bald, ist sich Schletterer sicher, wird es wieder aufwärts gehen. So wie immer in den vergangenen 30 Jahren.
Vor 30 Jahren war Dubai nicht viel mehr als ein Nest für Fischer, Schmuggler und Glücksritter. Eine Enklave aus 1000 und einer Nacht, in der sich der Kalif Storch des nächtens „mutabor“ rufend gegen Osten verbeugte, um wieder Mensch zu werden. Dort, wo heute künstliche Satellitenstädte in den Himmel ragen, gab es damals nur Sand, Kamele und ab zu eine Dattelpalme. 1985 gründete Scheich Mohammed bin Rashid al Maktoum die Airline „Emirates“ mit der er Dubai zum Tor nach Asien, Europa und Amerika machte. Und er wusste schon damals, dass seine Heimat keine andere Wahl hat. Da das Emirat kaum nennenswerte Ölvorkommen sein Eigen nennen kann, sollte Dubai zum Handels- und Finanzzentrum des Nahen Ostens aufsteigen, und nebenbei zu einem der modernsten Tourismusmagneten, einem Disney-Land des Orients werden, damit es noch Jahrzehnte wachsen und satte Gewinne abwerfen kann.





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