15.10.2009 - Ausgabe 10/2009 - von
Es ist ein oft bemühtes Klischee, dass in praktisch jedem elektronischen Gerät, das heutzutage im Büro oder im Haushalt eingesetzt wird, mehr Rechenleistung enthalten ist, als bei den Computern die vor rund 40 Jahren den ersten Mondflug möglich gemacht hatten. Doch eine Konstante gibt es seit eh und je: Heute wie damals ist es von Vorteil, dass an spezielle Aufgaben nur Profis rangehen.
Okay, Houston we`ve had a problem here... Worte, weltberühmte Worte aus dem Mund von John Swigert, Jr., Pilot der Apollo 13 Kommandokapsel. Worte, die deshalb so berühmt wurden, da die an sich gescheiterte Mission schließlich als erfolgreicher Fehlschlag in die Geschichte der Nasa einging. Erfolgreich wurde die Operation deshalb, weil Profis am Werk waren. Profis, die nach dem Grundsatz der Fokussierung auf die eigenen Stärkefelder bauten.
Ein Grundsatz den sich, so beurteilt es zumindest das Beratungsunternehmen PricewaterhouseCoopers, seitdem die Weltwirtschaftskrise ihre Spuren tief in der globalisierten Wirtschaft hinterlassen hat, immer mehr Unternehmen wieder zu Eigen machen – auch und vor allem in der Finanzwirtschaft.
Volle Konzentration. Und das hat einen triftigen Grund, wie Mag. Christoph Obermair, Director bei PricewaterhouseCoopers meint: „In einer Zeit in der die Finanzwirtschaft massiven Angriffen ausgesetzt ist, ist es wichtig, sich auf das Kerngeschäft zu konzentrieren und dieses zu analysieren.“ Gerade die Finanzindustrie ist aber hochgradig von Informationstechnologie abhängig und Begriffe wie „Straight Through Processing“ (STP) – die vollautomatisierte Verarbeitung von Arbeitsschritten - lassen erwarten, dass diese Abhängigkeit weiter steigen wird. Gerade jetzt, so Obermair, wird erwartet, dass die Prozesse im Hintergrund reibungslos funktionieren: „Fehler in der Prozessabwicklung kann sich derzeit niemand leisten, weshalb viele Dienstleister auf das Know-how von Professionisten zurückgreifen.“
Die Auslagerung von Support-Funktionen wie IT an externe Dienstleister ist daher die logische Konsequenz. „Es ist der Fokussierungsgedanke auf die Stärkefelder, der das Unternehmensmanagement gerade in Krisenzeiten dazu bewegt, Leistungen auszulagern“, so der Fachmann von PwC. Der Einsparungseffekt, der oft unterstellt wird, werde zumeist deutlich überschätzt: „Der Kostenvorteil, der aus einer effizienteren Leistungsabwicklung lukriert wird, wird zu einem nicht unerheblichen Teil durch die Marge des Anbieters als auch durch die intern weiter notwendigen Aufgaben aufgebraucht.“
Steigendes Vertrauen. Hinzu kommt, dass 2009 die IT-Budgets vieler Finanzdienstleister im Bezug auf das Vorjahr gesunken sind – an sich nicht gerade ein Zeichen dafür, dass die Qualität steigt, sondern eher ein Synonym dafür, dass der Sparstift angesetzt wird. Doch andererseits wird bereits die Hälfte der Budgets in die Leistungsdeckung externer Professionisten eingebracht.
Und der Trend, so die Einschätzung vieler Unternehmen, geht weiter in Richtung Auslagerung. Mehr als drei Viertel der in einer neuen Studie von PricewaterhouseCoopers befragten Unternehmen sind mit den Leistungen ihrer externen Partner zufrieden bzw. sehr zufrieden. Lediglich im Bereich des „User Helpdesk“ ist dieser Wert geringer. Albert Calice, IT-Experte bei PwC erklärt diesen Umstand „mit der hohen menschlichen Komponente der Leistungserbringung“, die auch beim externen Anbieter nicht im Kerngeschäft liegt, sondern bei konsequenter Weiterüberlegung des Sachverhalts, auch von diesem ausgelagert werden sollte.
Hohe Zufriedenheit. Bei der Wahl der Outsourcing Partner zeigt sich die Mehrheit der Unternehmen eher konservativ und vertraut lokalen Anbietern. Die Verlagerung von Leistungen ins nahe oder ferne Ausland wird eher kritisch gesehen, da die Unternehmen eine gute Steuerbarkeit ihrer Dienstleister verlangen. Dazu gehört eine schnelle Erreichbarkeit im Falle von Schwierigkeiten, sowie ein gemeinsames Verständnis für die Dringlichkeit und Schwere von Problemen. „Dies ist gerade bei Anbietern in anderen Kulturkreisen wie Indien oder Osteuropa nicht immer vollumfänglich gegeben“, so Obermair. Auch sind Sprachprobleme sowie Zeitunterschiede Herausforderungen, denen die heimischen Unternehmen lieber aus dem Weg gehen.
Mag. Thomas Strobach, Partner bei PwC und Experte für Steuerfragen bei Finanzdienstleistern kennt noch einen weiteren, pragmatischen Grund für die starke lokale Fokussierung: „Das UStG (UmsatzSteuerGesetz) erkennt reine Rechenzentrumsleistungen im Cross Border Fall nicht als Bankgeschäft an – somit wäre darauf USt zu bezahlen, was eventuell vorhandene Kostenvorteile sofort vernichten würde.“
Großer Wettbewerb. Abhängigkeit und Kontrollverlust, so Obermair, sind die entscheidenden hemmenden Parameter, die viele Unternehmen im Zusammenhang mit der Auslagerung von Leistungen plagen: „Aus diesem Grund trägt bei allen Unternehmen die enge Steuerung der Leistungserbringung einen hohen Stellenwert.“
Die untersuchten Unternehmen aus Deutschland, der Schweiz und Österreich versuchen, trotz hoher Zufriedenheit mit den bezogenen Leistungen, ihre Abhängigkeit von einzelnen Anbietern möglichst gering zu halten. Multi Sourcing (Bezug von vergleichbaren Leistungen von mehreren Anbietern), das kurzfristig Kostennachteile aufgrund mangelnder Skaleneffekte mit sich bringt, wird als längerfristige Versicherung gesehen, da relativ kurzfristig ein Anbieterwechsel möglich wäre, sollte ein Partner beispielsweise in Turbulenzen geraten.
Klarer Auftrag. Eine klare Definition der Service Level Agreements (SLAs) zu Beginn der Beziehung (quasi der „Ehevertrag“) stellt ebenfalls eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche Partnerschaft dar. Nur wenn beide Seiten wissen, was die jeweils andere Seite erwartet und kann, werden böse Überraschungen vermieden. Im Laufe der Geschäftsbeziehung sind diese Vereinbarungen regelmäßig kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls anzupassen.
„Hierbei stellt sich das Problem jeder Outsourcing-Vereinbarung“, meint Andreas Plamberger, Outsourcing Experte bei PwC, „denn das Unternehmen versucht jene Leistungen an externe Partner zu verlagern, die es selbst nicht beherrscht, braucht aber für eine sinnvolle Gestaltung der SLAs ein sehr gutes Verständnis selbiger.“
Die Unternehmen versuchen deshalb auf unterschiedliche Arten, mit dieser Herausforderung umzugehen. Einige ziehen externe Unterstützung bei, um sicherzugehen, dass die Leistungen marktkonform erbracht und verrechnet werden, andere binden über kreative Vergütungsmodelle (Gain share, etc.) die Anbieter an sich und schaffen damit Anreize, wettbewerbsfähige Leistungen zu erbringen.
Wachstum. Outsourcing im IT Bereich wird auch in der näheren Zukunft noch ein heißes Thema in der Finanzwelt bleiben, ist Obermair überzeugt. „Etliche Unternehmen gehen davon aus, dass die Budgets nach einer kurzen Konsolidierungsphase wieder steigen werden“, so Obermair. Und mit zunehmender Erfahrung der Unternehmen sowohl im Aufbau als auch der Steuerung von Anbietern sei es absehbar, dass immer größere Teile des Leistungsspektrums verlagert werden und immer spezialisiertere Anbieter im Markt auftreten werden. Für den Endkunden, so der Berater, kann dies nur positiv sein, denn so bekommt er auf allen Leistungsebenen die beste Leistung für sein Geld.