Neue Qualität in der 
Teamarbeit erzielen
15.12.2009 - Ausgabe 12/2009 - von Mag. Katharina Ötzbrugger
Am 7. Oktober stellte der neue Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck Herbert Lochs offiziell sein Rektoratsteam vor. Dabei wurden die Vorstellungen, Schwerpunkte und Ziele der neuen Vizerektoren vor Journalisten präsentiert. Alles unter dem Motto „Zuhören, einbinden und entscheiden“.
Mit Anfang Oktober übernimmt der gebürtige Tiroler Herbert Lochs die Nachfolge des Alt-Rektors der Medizinischen Universität Innsbruck (MUI) Clemens Sorg. Er war bis zu seinem Amtsantritt Direktor der Medizinischen Klinik und Poliklinik Charite in Berlin. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte liegen im Bereich Stoffwechsel und Ernährung sowie in der Onkologie und Hepatologie.

Führungsstil und Vizerektoren. „Zuhören, einbinden und entscheiden“, das sind die drei Schlagwörter, die eingangs der neue Rektor der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Herbert Lochs, auf der Pressekonferenz vom 7. Oktober verkündete. Damit umschreibt er seinen Führungsstil. Er will eine neue Qualität in der Teamarbeit erzielen. Keine Führung von oben nach unten, sondern den Mitarbeitern genau zuhören und möglichst viele Personen in die Entscheidungen mit einbinden und professionelle Führung umsetzen, das ist eines der Anliegen des neuen Rektors der MUI: „Die Führung der Medizinischen Universität Innsbruck kann und muss immer Teamarbeit sein. Das neue Rektoratsteam bringt dafür die besten Voraussetzungen mit.“ Das Team besteht aus Univ.-Prof. Dr. Doris Balogh als Vizerektorin für Personal, Dr. Gabriele Döller als Vizerektorin für Finanzen, Univ.-Prof. Dr. Norbert Mutz als Vizerektor für Studium und Lehre und Univ.-Prof. Dr. Günther Sperk als Vizerektor für Forschung und Forschungsförderung.
Mit diesem professionellen Management wird man sich den Herausforderungen der Zeit stellen. „Ein Unibetrieb ist kein Wirtschaftsbetrieb und kann auch nicht als solcher geführt werden“, betont der MUI-Rektor auf der PK. Ihm ist klar, dass es hier manchmal schwierig sein wird, die richtige Balance zu finden. Die Med-Uni soll eine professionell organisierte Forschungseinheit darstellen und setzt im Jahr ein Budget von 200 Millionen Euro um.

Finanzen und Personal. Dr. Gabriele Döller, Vizerektorin für Finanzen, sieht auf alle Universitäten eine Zeit knapper Ressourcen zukommen. Die derzeitige Herausforderung liegt laut der Finanzexpertin vor allem in dem, dass die Vertreter der Medizinischen Universität Innsbruck möglichst effizient arbeiten müssen. Auch sollen Drittmittel mehr zum Tragen kommen. Eine weitere zentrale Aufgabe ihres Ressorts ist das Schaffen von Transparenz bei den Finanzen. „Wir sollen die öffentlichen Mittel, die wir zur Verfügung haben, möglichst transparent verwalten und verteilen“, so Dr. Döller. Auch habe sie vor eine Innenrevision einzurichten, die die Aufgabe innehat, das Rektorat in den Angelegenheiten rund um die Finanzen zu beraten und beizustehen. Schwachstellen sollen ausgemerzt und die Transparenz gesteigert werden.
Der Vizerektorin für Personal, Prof. Dr. Doris Balogh, liegt vor allem die Umsetzung des neuen Kollektivvetrags für das wissenschaftliche Personal am Herzen. Insbesondere für junge Mitarbeiter bringt der neue Vertrag Vorteile in Form eines ganz neuen Laufbahnmodells mit sich. Das Modell spornt an. Der Forschungsbereich kann davon profitieren. Ein weiteres Anliegen der Personalverantwortlichen ist es, die großen Unterschiede zwischen den Landes- und Bundesbediensteten zu reduzieren. „Hier ist unser Ziel, die Bedingungen der beiden Gruppen möglichst weit aneinander anzugleichen und die Differenzen so gut wie möglich zu beseitigen“, so die langjährige Anästhesistin über ihr Vorhaben. Auch müsse die gesetzliche Vorgabe, Bundesbedienstete sollen 30 Prozent ihrer Dienstzeit für Lehre und Forschung einräumen, umgesetzt werden. Hier werden strukturelle Veränderungen zu Tragen kommen. Ein weiteres Anliegen ist ihr die Frauenförderung zu stärken. Hier sieht sie, dass die Förderung der Frauen nicht erst auf der Ebene der Professorinnen einsetzen soll. Schon früher, bei Frauenstipendien und Freistellungen speziell für Frauen sowie ausreichende Kinderbetreuungsplätze. „Nur dann ist es möglich, das Ziel zu erreichen, den Frauenanteil an der Med-Uni Innsbruck um 15 Prozent zu steigern“, so Balogh.

Studium, Lehre und Forschung. Der neue Vizerektor für Studium und Lehre, Prof. Dr. Norbert Mutz, spricht von einem Trias, bestehend aus Patientenversorgung, Lehre und Forschung, die sich unterei­nander bedingen. Dabei ist der Bereich der Lehre ein ganz wesentlicher Bestandteil, ihm wird eine besondere Bedeutung zugeprochen. Denn hier werden letztendlich die Ärzte und Forscher der Zukunft ausgebildet. Mutz zu seinen Vorhaben: „Wir werden wie vorgesehen das Bachelor- und Masterstudium einrichten. Wichtig ist mir auch, dass unsere Studierenden nationale und internationale Erfahrungen sammeln können.“ Der Bolognaprozess besagt, man habe mehrere Möglichkeiten, Studien zu implementieren. Gemeinsam mit seinem Team will Mutz neue Studienangebote im prä- und postgradualen Bereich wie zum Beispiel „Molekulare Medizin“ oder „Biomedical Engineering Medizin“ anbieten. Auch will er aufgrund der schnellen Entwicklung in der medizinischen Forschung bereits im Studium die Beschäftigung mit ethischen Fragen und mit der Bioethik fördern und fix verankern.  
Prof. Dr. Günter Sperk, der das Amt des Vizerektors für Forschung ab nun bekleidet, sieht als seine wesentliche Aufgabe, Forschung vom Molekül bis zum Patienten zu betreiben. Die Schwerpunkte dabei liegen im Bereich der Onkologie, Neurowissenschaften, Infektiologie und molekularen und funktionellen Bildgebung. Fokussierung auf diese Bereiche ist auch weiterhin sinnvoll. „Innsbruck ist eine kleine Universität, wir können nicht sämtliche Gebiete der Medizin abdecken“, so Sperk. Auch sieht er, dass der Geriatrie und der Altersmedizin sowie der Sportmedizin in Zukunft mehr Bedeutung zukommen wird. Ein weiteres Augenmerk legt Sperk auf eine Internationalität in der hiesigen Forschung. Nur so können Drittmittel lukriert werden und ausreichend Mittel nach Innsbruck gelangen. Förderungen bzw. Fördergelder sind stark von den internationalen Gremien abhängig. Ein wichtiger Punkt ist auch die Stärkung von wissenschaftlichen Kooperationen zwischen Grundlagen- und  klinischen Wissenschafter.
Gemeinsam mit dem neuen Rektorats-Team möchte Herbert Lochs die Medizinische Universität Innsbruck nach den Unstimmigkeiten, die vorherrschten, wieder zu einer Top-Adresse in der Hochschul- und Forschungslandschaft machen. „Ich möchte nichts bagatellisieren. Aber die Schlachten, die hier ausgetragen wurden, sind ähnlich wie die auf anderen Medizinischen Universitäten Österreichs. Auf der Grazer Universität zum Beispiel konnte mit einem neuen Rektoratsteam schon nach wenigen Wochen ein ganz neuer Stil gefahren werden“, so der MUI-Rektor Lochs über sein weiteres Vorgehen. Auch steht in naher Zukunft wegen einer Pensionswelle eine Reihe von Neuanstellungen an. Bei den anstehenden Berufungen will man eng mit der Tilak Innsbruck zusammenarbeiten.




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