Mit der Sonne in die Zukunft
15.12.2009 - Ausgabe 12/2009 - von MMag. Monika Pichler
Zum zweiten Mal in diesem Jahr macht die Brennerautobahn AG mit einem innovativen Projekt im Bereich der erneuerbaren Energien von sich reden: Nach der Grundsteinlegung für die Produktionsanlage von grünem Wasserstoff in Bozen im September wurde im November im Trentino die erste Photovoltaik-Lärmschutzwand Italiens eröffnet.
Lineare Rebzeilen dominieren das Landschaftsbild rund um das Dörfchen Isera im Trentino. Etwas unterhalb, entlang der Brennerautobahn, fügt sich seit kurzem die neue Photovoltaik-Lärmschutzwand nahtlos in das Landschaftsgefüge ein. „Die Einfügung in das Landschaftsbild lag uns sehr am Herzen“, erklärte Paolo Duiella, Präsident der Brennerautobahn AG bei der Projektpräsentation in der Cantina Sociale d’Isera. „Darüber hinaus bestand die größte Herausforderung für die Brennerautobahn und die Gemeinde Isera, die dieses Projekt initiiert haben, in seiner doppelten Zielsetzung: Lärmschutz und Energieproduktion.“
Tatsächlich ist die Photovoltaik-Lärmschutzwand von Isera in ihrer Art einzigartig. Mit 1.067 Meter Länge und 5,60 Meter Höhe erstreckt sie sich längs der Südspur der Brennerautobahn nach der Ausfahrt Rovereto Nord. Exakt 3.944 Photovoltaik-Module mit monokristallinem Silizium, die insgesamt über 5.000 Quadratmeter Fläche einnehmen, wurden auf der Vorderseite montiert, während die Rückseite aus schallschluckenden Platten besteht. „Mit dieser Wand kann Lärmschutz mit der Produktion elektrischer Energie verbunden und damit Kosten in eine Geldquelle umgewandelt werden“, betonte Duiella. „Die Autobahn ist eine akustische wie ökologische Belastung. Aus diesem Grund möchten wir den Gebieten, die vor 50 Jahren mit großem Mut und unter großer Kraftanstrengung die Brennerautobahn AG gegründet haben, etwas zurückgeben und die Lebensqualität entlang der Brennerautobahn verbessern.“

Vorzeigeprojekt in punkto erneuerbare Energie. Die Lärmschutzwand ist Teil des „Plans für die Begrenzung und Beseitigung des Verkehrslärms“, den die A22 im Juli 2007 mit insgesamt 139 Eingriffen genehmigt hat. Dass gerade Isera für die zusätzliche Bestückung der Lärmschutzwand mit Photovoltaik-Modulen ausgewählt wurde, ist kein Zufall. Denn die 2.600 Einwohner Gemeinde am orografisch rechten Etschufer setzt sich schon seit Anfang der 1990er Jahre im Bereich der erneuerbaren Energien ein. So verfügt die Volksschule und der Kindergarten von Isera über ein Dach mit 1.000 Quadratmetern Photovoltaik-Paneelen, 150 Straßenlaternen im historischen Zentrum werden mit Solarenergie betrieben und elf Höfe, die nicht an das Gemeindenetz angeschlossen sind, verfügen über mobile Paneele. „Isera ist ein kleines Dorf, aber durch dieses Vorzeigeprojekt ist es zu einem Bezugspunkt in punkto erneuerbare Energie aus der Kraft der Sonne nicht nur für Italien, sondern für ganz Europa geworden“, bedankte sich Bürgermeister Alessandro Passerini beim Projektpartner Brennerautobahn für die gute Zusammenarbeit.
Die maximale Nennleistung der Anlage liegt bei 730 Kilowatt und die durchschnittliche Jahresproduktion bei circa 690.000 Kilowattstunden. Somit wird die Photovoltaik-Lärmschutzwand in der Lage sein, über 20 Prozent des Energiebedarfs der Gemeindewerke von Isera abzudecken. Damit kann der durchschnittliche jährliche Energiebedarf von 600 Personen gesichert werden.
Die Anlage ist in sechs Teilstücke gegliedert und zählt insgesamt 117 Inverter sowie sechs Umspannkabinen zu 20 Kilovolt. Die Daten werden über ein Monitoring-System direkt an das Service Center weitergeleitet. Um die bestmögliche Effizienz der Solar-Module zu gewährleisten, besteht die Photovoltaik-Lärmschutzwand aus zwei Abschnitten unterschiedlicher Neigung. Aber auch beim Lärmschutz konnten die Zielsetzungen erreicht werden: Der Lärmpegel untertags sowie in der Nacht konnte um das Achtfache gegenüber der Ausgangslage und insgesamt um zehn Dezibel reduziert werden.

5,5 Millionen Euro investiert. Die Kosten belaufen sich auf 5,5 Millionen Euro. Die Arbeiten, die 218 Arbeitstage in Anspruch nahmen, wurden vorwiegend von regionalen Unternehmen aus dem Trentino und aus Südtirol – allen voran PAC, Far Systems und Cordioli – ausgeführt. Diese Tatsache unterstrich auch Alberto Pacher, Landesrat für öffentliche Arbeiten, Umwelt und Verkehr der Autonomen Provinz Trient, und bedankte sich bei den beteilig­ten Institutionen für die Umsetzung des weitsichtigen Projekts. „Diese Investition reiht sich in die Maßnahmen der Landesregierung des Trentino im Bereich der umweltverträglichen Bauprojekte ein. Das Trentino verfügt über viele Unternehmen, die sich auf Innovation und die Nutzung erneuerbarer Energieträger sowie auf die ökologische Bauweise spezialisiert haben.“ Mit der Photovoltaik-Lärmschutzwand von Isera zeige das Trentino einmal mehr seine führende Rolle in punkto Nachhaltigkeit in Europa. Immerhin stehe die Region Trentino-Südtirol an erster Stelle in Italien, wenn es um die Pro-Kopf-Produktion von erneuerbarer Energie geht. Und auch bei der Anzahl der Photovoltaik­anlagen liege Trentino-Südtirol im Spitzen­feld der italienischen Regionen.
Carlo Costa, technischer Direktor der Brennerautobahn erinnerte neben dem materiellen auch an den symbolischen Wert des Projekts von Isera. „Die Photovoltaik-Lärmschutzwand ist durch ihre Lage entlang der Brennerautobahn täglich für rund 100.000 Vorbeifahrende sichtbar. Sie soll eine Botschaft vermitteln und für die Nutzung der Solarenergie sensibilisieren.“ Denn noch immer würden 85 Prozent des Weltenergieverbrauchs von 15 Terawatt durch fossile Energien bereitgestellt. „Die Brennerautobahn AG hat mit einer Reihe von Projekten beschlossen, einen anderen Weg einzuschlagen. Unser Ziel ist es, in eine saubere Zukunft zu investieren“, so Costa abschließend.




Sind Sie für eine Regulierung des Finanzmarktes durch staatliche Einrichtungen?


 
 


ANZEIGE