Tirol blieb bislang von der Krise, im internationalen Kontext betrachtet, verschont. Tirol ist ein attraktiver Standort. Und dies, glaubt man zumindest maßgeblichen Entscheidungsträgern, hängt auch mit dem Flughafen Innsbruck zusammen. Eine Standortanalyse.
Der Winter steht vor der Tür. Landauf – landab ist nicht nur unter Tourismusexperten unbestritten, dass Tirol am globalen Markt von seinem Image als Tourismusland profitiert. Unbestritten ist ebenfalls, dass die seit den 80er Jahren stark gestiegene Zahl an Touristen unter anderem mit dem Aufkommen des Chartertourismus in Verbindung zu setzen ist. Die Fakten belegen, dass ohne den Flughafen Innsbruck die wirtschaftliche Situation des Landes lange nicht so rosig wäre, wie sie sich derzeit darstellt.
Große Wertschöpfung. Alleine die direkten Effekte sprechen für sich. Jährlich werden rund eine Million Gäste am Flughafen abgefertigt. Ein erheblicher Teil resultiert aus den Charterflügen die in den Hauptsaisonen die Landeshauptstadt ansteuern. Laut einer wissenschaftlichen Studie im Auftrag des Flughafens Innsbruck summiert sich die zusätzliche Wertschöpfung, die alleine durch diese Chartergäste verursacht wird, auf doppelstellige Millionenbeträge.
„Die Fakten alleine sprechen schon eine klare Sprache. Es ist aber auch wichtig zu sehen, dass das Image des Landes ohne den Flughafen ein ganz anderes wäre. Veranstaltungen und große Kongresse könnten nicht mehr im Land gehalten werden, wenn nicht eine schnelle und reibungslose Anreise über den Flughafen möglich wäre“, sagt Wirtschaftslandesrätin Patrizia Zoller-Frischauf. Noch bis vor einigen Jahren, so Zoller-Frischauf weiter, war von international tätigen Führungskräften immer wieder zu hören, Tirol verfüge über zu wenig Fluganbindungen, weshalb für sie ein Engagement in Tirol nicht in Frage käme. Diese Kritik ist jedenfalls verstummt. 2008 stieg das Passagieraufkommen um 12,8 Prozent.
Starke Wurzel. Und das über Jahrzehnte aufgebaute und gepflegte Image des Landes wäre ohne den Flughafen nie das geworden, was es heute ist, sind sich Touristiker einig. Die olympischen Winterspiele wären beispielsweise nicht nach Innsbruck vergeben worden, wenn nicht bereits damals der Flughafen im Stande gewesen wäre, das Aufkommen zu tragen. „Wäre Innsbruck nicht zweimaliger Austragungsort der olympischen Winterspiele geworden, hätte sich die Stadt wahrscheinlich nie den Status als Hauptstadt der Alpen erarbeiten können“, so Josef Margreiter, Geschäftsführer der Tirol Werbung: „Die rasante Entwicklung des Tiroler Tourismus ist untrennbar mit dem Flughafen Innsbruck verbunden. Innsbruck hat bereits in den sechziger Jahren die Bedeutung des Flughafens richtig erkannt und das Management weiß bis heute, dass der erfolgreiche Betrieb nur in einem modernen Umfeld möglich ist. Im Kontext mit vielen anderen Faktoren des Tourismus konnten wir uns so von anderen europäischen Tourismusdestinationen absetzen. Ohne die positive Entwicklung des Flughafens hätte sich der Tourismus aber auch die gesamte Wirtschaft in unserem Land ganz anders entwickelt.“
Laufende Investitionen. Dass der Flughafen in Innsbruck eine wirtschaftliche Erfolgsstory ist, ist auch auf die laufenden Investitionen zurückzuführen. „Die Geschäftsleitung und Anteilseigner der Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft haben stets erkannt, dass Investitionen in die Infrastruktur unumgänglich sind, wenn man in diesem sich rasant entwickelnden Markt bestehen will“, so Zoller-Frischauf.
„Die langen Diskussionen rund um die Pistenvorfelderweiterung haben uns, kurzfristig betrachtet, sicher nicht geholfen. Mit der schließlich schnellen und perfekten Umsetzung der Bauarbeiten haben wir jetzt einen in allen Bereichen sehr hohen Standard. Der Flughafen Innsbruck ist und bleibt das internationale Tor zum Alpenraum“, so Flughafendirektor Mag. Reinhold Falch.
Wichtiger Schritt. Wie wichtig die Pistenvorfelderweiterung letztlich war, betont auch Congress-Direktor Georg Lamp: „Internationale Leitmessen wie die Interalpin oder Ärztekongresse sind ohne einen modernen Flughafen Innsbruck unvorstellbar. Wenn gewisse im internationalen Flugverkehr übliche Flugzeugtypen nicht mehr landen hätten dürfen, wäre dies für den Standort Innsbruck katastrophal gewesen.“
Der Flughafen Innsbruck ist mit seinen vielen Linien- und Charterverbindungen aber nicht nur eine wichtige verkehrsinfrastrukturelle Einrichtung für den gesamten Tiroler Wirtschaftsraum sondern auch ein Wirtschafts- und Beschäftigungsmotor. „Durch diese Dynamik ist der Flughafen auch zu einem unerlässlichen Standortfaktor für die Region Innsbruck geworden. Es wäre mehr als fraglich gewesen, ob im Falle einer Nicht-Realisierung der Pistenvorfelderweiterung die Bedeutung des Innsbrucker Flughafens aufrecht erhalten hätte werden können“, so Falch.
Guter Arbeitgeber. Alleine das jährliche Beschäftigungswachstum am Flughafen ist wesentlich höher als das des Landesdurchschnitts. Und das obwohl oder gerade weil unter den am Flughafen beschäftigten Mitarbeitern der Anteil jener mit einer höheren Ausbildung deutlich über dem Landesdurchschnitt liegt. Der Flughafen gibt nicht nur rund 1.300 Beschäftigten Arbeit sondern sichert direkt und indirekt über 2000 Menschen in der Region einen Arbeitsplatz.
Überregionale Bedeutung. Doch auch für den Tiroler stellt der Flughafen mehr als nur eine wirtschaftlich lukrative Infrastruktur dar. Abgesehen von den Effekten, die durch den Incoming Tourismus für sämtliche Regionen des Landes ausgelöst werden, ist der Flughafen auch das Tor zur weiten Welt, das aufgrund des hohen Standards auch in Zukunft offen bleibt. „Man darf den Flughafen Innsbruck nicht nur als repräsentatives Entree sehen, das den Gästen die Tür nach Tirol öffnet. Innsbruck ist auch unser Tor nach außen. Wenn Investitionen wie die Pistenvorfelderweiterung nicht hätten getätigt werden können, hätte sich dies auch ganz massiv auf den Outgoing Verkehr ausgewirkt. Innsbruck und das Land Tirol hätten an Lebensqualität verloren“, so Herbert Schatz, Direktor Verkauf und Marketing des Tiroler Landesreisebüros in Innsbruck.
Wichtige Drehscheibe. Ohne den Flughafen wäre beispielsweise aber auch der Rettungseinsatz nach den Lawinenkatastrophen oder der Überschwemmungskatastrophe 2005 nicht so effizient abzuwickeln gewesen. „Der Flughafen Innsbruck ist eine Institution, die man in einem größeren Kontext als bloß dem Incoming-Tourismus sehen muss. Der Flughafen ist der Nährboden für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwicklung des Landes. Er ist ein verkehrspolitisches Zentrum in den Alpen“, so Falch. Nicht uninteressant ist in diesem Zusammenhang auch, dass mit Tyrolean Airways, der Welcome Air, der Tyrol Air Ambulance, der Air Alps und der Tyrolean Jet Services am Flughafen Innsbruck mehrere „Home Carrier“ ihren Firmensitz haben.“